Die Bischöfin und die Buße
Ganze vier Monate war sie im Amt, nun ist sie als Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der EKD zurückgetreten: Margot Käßmann. Unbequem war sie, eine streitbare “Gotteskriegerin”, die sich für die Schwachen einsetzte und zuletzt erst bei der Afghanistanfrage auch den Diskurs mit Verteidigungsminister zu Guttenberg nicht scheute. Eine mutige Frau, die auch öffentlich über ihre Scheidung und ihren Brustkrebs sprach – für eine Frau in ihrer Position sicher nicht selbstverständlich.
Nach ihrer Trunkenheitsfahrt vom Samstag, die in den Medien weidlich ausgeschlachtet wurde, allen voran natürlich mal wieder von der unsäglichen BILD mit F. J. Wagners hämischem Kommentar, wurden sofort Stimmen laut, die einen Rücktritt erwarteten, auch wenn der Rat der Evangelischen Kirchen in Deutschland geschlossen hinter seiner Vorsitzenden stand. Ohne langes Zögern reagierte Käßmann heute in gewohnt konsequenter, ja “radikaler” Art und legte ihre hohen Ämter nach einer eindrucksvollen Erklärung nieder – eine Konsequenz und Integrität, die viele Politiker und Wirtschaftsbosse leider völlig vermissen lassen.
