…und noch kein Ende in Sicht.
Ihr erinnert euch sicher: Schüler & Studenten die auf selbständiger Basis für Trinkgeld arbeiten, während sich ein Theologe die Vermittlerfirma damit “dumm & dämlich” zum Festpreis verdient.
Es war ein einziges Wort, das eine Welle der Empörung lostrat: “Null-Euro-Jobber“. Dass es so etwas wie Ein-Euro-Jobs gab, daran hatte man sich in Deutschland beinahe schon gewöhnt, aber dass es noch tiefer ging – das erschien vielen dann doch zu dreist. Eine Welle der Entrüstung brach los – und sie traf Martin Lettenmeier. (Quelle)
Drei Jahre liefen die Geschäfte für Martin Lettenmeier und Seinen “Friendly Service” nach eigenen – schwankenden, aber das ist man ja von Lettenmeier gewohnt – Angaben gut, bis Fachzeitschriften und vor allem Blogger über die seltsam anmutenden Geschäftspraktiken der sog. “Null-Euro-Jobber” berichteten, woraufhin die ersten Großkunden – darunter EDEKA Minden-Hannover – aus Imagegründen rasch Abstand von weiteren Geschäftsbeziehungen nahmen.
Zwei Anwaltskanzleien überprüfen jetzt erneut das System. „Man schläft unruhig“, gibt Martin Lettenmeier zu. (Quelle)
Man ist geneigt zu sagen: wie gewohnt (vgl. hier), arbeitet Lettenmeier mit äußerst widersprüchlichen Angaben, insbesondere, was den Stundenlohn angeht:
Die jugendlichen Einpackhilfen, alle zwischen 16 und 24 Jahre alt, im Vertrag mit “Friendly Service” als Selbständige deklariert, verdienten im Durchschnitt allein durch Trinkgeld zwischen sieben und 15 Euro in der Stunde (Quelle)
Neulich, vor dem Presserummel, sprach Friendly Service noch mal von 12,- mal von 7,- Euro Durchschnittsstundenlohn.
Interessant, das der offensichtlich zu steigen scheint, seitdem mehr als die Hälfte Seiner Kunden auf Abstand gehen und die Zusammenarbeit nicht länger fortsetzen:
40 Märkte nahmen im Herbst den Service in Anspruch, vor allem in Bayern, aber auch in Berlin und Hamburg. 21 Märkte haben die Verträge mit Friendly Service gekündigt. (Quelle)
Nun, Lettenmeier sagt aber auch:
“Jeder soll mit einem Minimallohn von sechs Euro nach Hause gehen” (Quelle)
Das scheint der Realität schon deutlich näher zu kommen, wenn man sich weitere harte Fakten ansieht, die von Friendly Service selbst auf der HP angepriesen werden:
Am Samstag, den 21. November spendeten die Servicekräfte der Märkte in Roth, Weißenburg, Neuburg a.d. Donau und in München im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) ihre Trinkgelder des Tages für soziale Projekte. Am Ende des Tages konnte dem Verein UgandaKids e.V. 1.400 Euro und der Arche-München 800 Euro übergeben werden. (Quelle)
2200,- Euro, die an nur einem Tag via Trinkgelder in nur 4 Supermärkten erarbeitet wurden – das klingt auf den ersten Blick nach viel Geld.
Auf den 2. Blick sieht das dann aber anders aus:
“Lohnend sei das System erst in Märkten ab 5.000 Quadratmeter Verkaufsfläche” (Lettenmeier) (Quelle)
5000 qm – nicht gerade kleine Lädchen, also sicherlich mehr als nur ein, zwei Kassen.
5 Kassen – 1 pro 1000 qm – wirkt da durchaus realistisch, oder..?
Laut Firmenangaben und zahlreichen Kommentaren der “Mitarbeiter” arbeiten die Einpacker im 2 Schicht System; bei 4 Märkten mit je 5 Kassen hätten wir also 40 Einpacker für die Zeit von 08:00 bis 20:00 Uhr.
2200,- Euro geteilt durch 12 Stunden geteilt durch 40 Einpacker ergeben einen Durchschnittsstundenlohn von sage und schreibe 4,58 Euro… Und das, obwohl nicht nur für den Service sondern auch noch einen guten Zweck “gesammelt” wurde
In der gleichen Zeit hat die Firma Friendly Service an diesen Einpackern ohne jedes Risiko zwischen 1440,- und 2400,-Euro verdient.
Wo wir gerade beim Verdienst der Firma sind, noch ein paar Ungereimtheiten, die stutzig werden lassen:
Im Hamburger Abendblatt machte Friendly Service 2008 noch einen Umsatz von 150 000 Euro, davon hat Lettenmeier das meiste”in eine Datenbank investiert, um die Einpacker besser einsetzen zu können.” Ihm selbst blieben 800 Euro monatlich. (Quelle)
Nun rechnen wir eben mal schnell: 800,- Euro * 12 Monate = 9600,- (ca. 12 000 inkl. Steuer etc.)
Nehmen wir noch die 14 studentischen Aushilfskräfte hinzu, die auf 400,- Euro-Basis als Team- und Einsatzleiter arbeiten (vgl. hier), kommen wir zusätzlich auch (12 * 14 * 400) 67 200,- (ca. 75 936 inkl. aller Steuern/Abgaben) Euro.
Bleiben über den Daumen gepeilt stolze 60 000,- Euro für eine Datenbank.
Zur Erklärung für Computerlaien: eine sehr beliebtes und damit weitverbreitetes Datenbanksystem stammt von Microsoft und trägt den Namen Access; ist Bestandteil des Office-Paketes, welches zwischen ca. 90,- bis 500,- Euro kostet; als sog. OpenSource-Programm gibbet die Dinger sogar kostenlos…
Gut, ziehen wir großzügig noch 12 000,- Euro Miete/NK ab, runden geschmeidig auf (Büromaterial, etc.) 21 500,- auf, kommen wir auf eine Gesamtrechnung von:
12 000
76 000
21 500
500
——-
110 000
Fehlen ja nur (ffektiv geschätzte) 40 000,- Euro, die zuviel in die Datenbank investiert wurden – was uns die Erkenntnis nahe bringt, das die Erde wohl doch eine Scheibe ist…
Noch in einem weiteren Punkt treffen Firmenangaben & Realität hart aufeinander:
Die Vorteile für Ihren Markt:
* Kunden kommen schneller durch die Kassen. Das spart die Zeit der Kassenkräfte.
* Sie können mit dem positiven Image des exzellenten Service werben.
* Sie haben Wettbewerbsvorteile zu anderen Märkten durch Alleinstellung.
* Sie erreichen höhere Kundenzufriedenheit durch die kostengünstige Verbesserung des Service.
* Sie binden Ihre Kunden an Ihren Markt. (Quelle)
Ein betroffener Marktleiter schildert Seine Erfahrungen aber so:
Abschließend noch eine wohl gute Nachricht:
Edeka Südbayern überprüft “das bestehende Geschäftsverhältnis aufgrund der aktuellen Berichterstattung”. (Quelle)
Mehr zum Thema “Friendly Service & Null Euro Jobber“.
Quelle: Das kleine Nachtbüchlein
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December 20th, 2009
Präventus 
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